Darmflora aufbauen: Ernährung, Hausmittel & Tipps

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Wusstest Du, dass etwa 1,5 bis 2 kg Deines Körpergewichts auf Bakterien in Deinem Darm, Deine sogenannte Darmflora, entfallen? Klingt unglaublich, ist aber gut so, denn dieses Wunderwerk der Zusammenarbeit erfüllt zahlreiche verschiedene Aufgaben für Deinen Körper.

Allerdings gibt es viele Dinge, die Deiner Darmflora und damit Deiner Gesundheit schaden können. Wir erklären Dir hier deshalb, welche Funktionen Deine Darmflora erfüllt, was es für Dich bedeutet, wenn Deine Darmflora gestört ist und vor allem, was Du tun kannst, um sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Wunderwerk Darmflora

In Deinem Darm leben und wirken ca. 100 Billionen Bakterien, zusammengesetzt aus etwa 1.000 bis 1.500 möglichen Bakterienarten. Zusammen werden diese Darmflora oder auch Darmmikrobiom genannt. Die meisten Bakterien befinden sich im Dickdarm, der Rest bewohnt den Dünndarm.

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Einen Teil dieser Bakterien bekommen wir bereits im Mutterleib mit, einen weiteren Teil dann durch die Geburt. Welche Bakterien das sind, kommt auf den Lebensstil der Mutter und die Art der Geburt an. Eine Geburt durch den Geburtskanal gibt dem Baby andere Bakterien mit, als eine Geburt per Kaiserschnitt.

3 unterschiedliche Darmtypen (Enterotypen)

Im Laufe des Lebens verändert sich die Darmflora entsprechend unserer Lebensweise, jedoch gibt es Hinweise aus der Forschung, dass eine Dominanz von meist einem Bakterienstamm lebenslang bestehen bleibt.

Mittels dieser Dominanz lassen sich Menschen hinsichtlich ihrer Darmflora in drei Grundtypen, sogenannte Enterotypen, einteilen:

  • Enterotyp 1: Bacteroides-Dominanz
  • Enterotyp 2: Prevotella-Dominanz
  • Enterotyp 3: Ruminococcus-Dominanz

Je nach Enterotyp wird Nahrung unterschiedlich verwertet. So können zum Beispiel Enterotyp 1-Menschen leichter Kohlenhydrate verdauen. Speziell in Ländern mit mangelnder Nahrungsversorgung ist dies ein wichtiger Vorteil – in Industrieländern führt diese Eigenschaft hingegen schneller zu Übergewicht.

Wir wissen, was wir nicht wissen

Die Wissenschaft steht gerade erst am Anfang, die Wunderwelt des Darms zu entschlüsseln. Je mehr dazu geforscht wird, desto komplexer scheint die Sache. Umso wichtiger ist es, einen Lebensstil zu wählen, der die Darmflora gesund hält und ihr ermöglicht, ihren vielen verschiedenen Aufgaben nachzugehen.

Funktionen der Darmflora

Selbst, wenn wir noch nicht alle Wechselwirkungen, die unsere Darmflora mit Vorgängen im Körper hat, herausbekommen haben, so stehen doch einige grundlegende Funktionen zweifelsfrei fest.

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Energiegewinnung

Dazu gehört zuerst einmal die Energiegewinnung. Durch die Aufspaltung Deiner täglichen Nahrung gewinnt der Darm die Energie und das Baumaterial für Deine Zellen. Wichtig für die Energiegewinnung sind Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße.

Sie werden vor allem im Dünndarm abgebaut: Deine Darmflora hilft dabei, Kohlenhydrate in Zuckermoleküle aufzuspalten, Eiweiße in Aminosäuren und Fette in Fettsäuren. Anschließend gelangen die Nährstoffe aus Deinem Dünndarm ins Blut- bzw. Lymphsystem.

Vitamine und Mineralstoffe

Die Gewinnung von Vitaminen und Mineralstoffen findet ebenfalls vor allem im Dünndarm und nur zu einem kleinen Teil im Dickdarm statt. Manche Vitamine kann Deine Darmflora sogar selbst herstellen, darunter Vitamin K und Biotin (auch als Vitamin B7 oder Vitamin H bezeichnet).

Im Fall von Mineralstoffen und anderen Vitaminen unterstützt Deine Darmflora die Aufnahme, weshalb eine gestörte Darmflora zu einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen führen kann.

Schutzfunktion

Deine Darmflora ist ein aktiver Teil der Barriere, die Deinen Darm von innen heraus schützt. Durch diese Barriere besitzt Dein Darm die Eigenschaft, zwar Nährstoffe durchzulassen, damit sie in den Körper gelangen, Krankheitserreger, Gifte und dergleichen aber abzuwehren.

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Die schützende Funktion entfalten die Bakterien auf zwei Weisen:

  • Zum einen nehmen sie so viel Platz an der Darmwand ein, dass sie jegliche krankmachenden Keime schlichtweg verdrängen.
  • Zum anderen sondern sie Substanzen ab, die schädliche Bakterien bekämpfen, bevor diese überhaupt in ihre Nähe kommen.

So können sich schädliche Keime gar nicht erst im Darm ansiedeln. Aufgrund dieser Intelligenz gegenüber Eindringlingen ist Deine Darmflora auch ein wichtiger Bestandteil Deines Immunsystems.

Immunsystem

Der Darm ist Sitz und Trainingszentrum Deines Immunsystems. Um die 70% Deiner Immunzellen finden sich im Darm. Der Grund dafür ist, dass Dein Darm tatsächlich die größte Kontaktfläche Deines Körpers zur Außenwelt ist – 100-mal größer, als Deine Haut.

In Deinem Darm lernt Dein Immunsystem ständig neue Erreger und Substanzen kennen, gegen die es sich wehren muss. Die Bakterien Deiner Darmflora sind aktiv an der Ausgestaltung Deines Immunsystems beteiligt. Sie signalisieren den Immunzellen, falls sie Eindringlinge oder Schädlinge ausfindig machen.

Dieses Wissen wird anschließend an andere Körperteile wie zum Beispiel Deine Lunge weitergegeben. Das ist der Grund, warum eine unangebrachte Immunreaktion aus dem Darm Auswirkungen auf andere Körperteile haben kann. So leiden Menschen mit Darmproblemen oft auch an entzündlichen Erkrankungen der Gelenke oder der Haut.

Das bringt uns direkt zu den Folgen, die bei einer gestörten Darmflora auftreten können.

Gestörte Darmflora

Verschiedene Dinge können zur sogenannten Darmdysbiose führen, also einer Störung der Darmflora, welche wiederum zahlreiche unterschiedliche Folgen nach sich zieht.

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Manche der Folgen findest Du direkt am Ort des Geschehens, nämlich im Verdauungstrakt selbst, andere können über den gesamten Körper verteilt sein.

Vielfältige Folgen einer gestörten Darmflora

Eine gestörte Darmflora kann sich in Deinem Verdauungstrakt wie folgt bemerkbar machen:

  • Blähungen
  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Verstopfung
  • Heißhunger
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Weitere Folgen finden sich hingegen in anderen Körperteilen und sind dadurch nicht so leicht auf den Darm zurückzuführen:

  • Konzentrationsstörungen
  • Hautprobleme
  • Übergewicht
  • Vitaminmangel, insbesondere Vitamin B12
  • Stimmungsschwankungen
  • Allergien

Bei länger anhaltenden Darmproblemen kann das zu verschiedenen Erkrankungen führen. Folgende Erkrankungen werden nach neuestem Wissensstand mit einer gestörten Darmflora in Verbindung gebracht:

  • Neurodermitis
  • Allergien
  • Autoimmunerkrankungen wie Rheumatoide Arthritis und Morbus Crohn
  • Typ-1 Diabetes
  • Depression

Sogar Panikattacken und Angstanfälle können auf den Zustand Deiner Darmflora zurückgeführt werden.

Da die Darmflora so wichtig für das Immunsystem ist, kann eine gestörte Darmflora Entzündungen hervorrufen. Die sind nichts anderes als Reaktionen Deines Immunsystems auf etwas, das als fremder Eindringling eingestuft wird. Wenn diese Reaktionen fehlgeleitet sind, werden zum Beispiel körpereigene Membranen oder Zellen angegriffen. Dann können Autoimmunerkrankungen entstehen, wie zum Beispiel Rheumatoide Arthritis (Rheuma), Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) oder Typ-1 Diabetes.

Die Folgen einer gestörten Darmflora gehen sogar so weit, dass sie eine lebensgefährliche Blutvergiftung nach sich ziehen können.

Nun fragst Du Dich vielleicht, wie man bei so vielen Symptomen herausfinden soll, ob die eigene Darmflora hinter den Beschwerden steckt oder nicht. Der beste Weg, um herauszufinden, ob Deine Darmflora gestört ist, ist über einen längeren Zeitraum hinweg Dinge zu vermeiden, die Deiner Darmflora schaden und sie stattdessen mit nützlichen Dingen zu unterstützen. Wenn sich die Beschwerden langsam einstellen, weißt Du, dass Du auf dem richtigen Weg bist. Im Folgenden haben wir Dir deshalb schädliche und nützliche Dinge für Deine Darmflora zusammengefasst.

4 Dinge, die Deiner Darmflora schaden können

Zahlreiche mehr oder weniger alltägliche Dinge können den Bakterien in Deinem Darm und somit Deiner Gesundheit schaden. Bei ihnen ist also höchste Vorsicht geboten.

1. Antibiotika

Der wahrscheinlich größte Feind Deiner Darmbakterien sind Antibiotika (aus dem Griechischen "anti" – "gegen" und "bios" – "Leben"). Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Bakterien abzutöten. Leider machen sie da auch vor Deinen Darmbakterien nicht Halt.

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Die meisten Bakterienstämme Deiner Darmflora erholen sich von einer Antibiotikabehandlung wieder. Allerdings kann das gut ein bis zwei Monate dauern. Manche Bakterienstämme gehen bei der Behandlung auch komplett verloren.

Studien zeigen, dass sich Antibiotika bei werdenden Müttern sogar bereits negativ auf die Darmflora des ungeborenen Kindes auswirken, diese nachhaltig beeinflussen und dadurch sogar das Risiko des Kindes, im späteren Leben fettleibig zu werden, erhöhen.

Antibiotika solltest Du deshalb nur im absoluten Ausnahmefall und mit Vorsicht einnehmen, um Deiner Darmflora nicht unnötig zu schaden.

2. Hormonpräparate und Abführmittel

Bei einer Einnahme von Hormonen lohnt es sich, stets auch die eigene Darmflora im Blick zu haben. Wissenschaftliche Studien haben nämlich festgestellt, dass sich Hormonpräparate, wie zum Beispiel die Antibabypille, derart auf die Darmflora auswirken, dass sie das Risiko, Morbus Crohn, einer entzündlichen Darmerkrankung, zu bekommen, deutlich erhöhen.

Auch Abführmittel können das Gleichgewicht Deiner Darmbakterien nachhaltig durcheinanderbringen. Insbesondere kurzfristige, hochdosierte Einnahmen wirken sich ähnlich zerstörerisch aus wie eine Antibiotikatherapie.

3. Stress

Durch die direkte Verbindung von Darm und Gehirn hat Stress leichtes Spiel und schlägt sprichwörtlich auf den Magen – oder eben auf Deine Darmflora. Insbesondere langanhaltender Stress reduziert die Schutzfunktion der Darmflora, was sich negativ auf Deine Darmschleimhaut auswirkt.

In der Folge funktioniert die Darmbarriere nicht mehr einwandfrei, wodurch Bakterien und unverdaute Nahrungsbestandteile in die Blutbahn gelangen. Das Immunsystem erkennt die Eindringlinge und schlägt Alarm – Entzündungen sind die Antwort.

Auf Dauer führt Stress dadurch zu schwelenden, stillen Entzündungen rund um den Darm, was nicht nur andere Erkrankungen befeuert, sondern sogar Depressionen begünstigt.

4. Zuviel Fett und Zucker

Was ist schlecht für die Darmflora

Eine ähnliche Wirkung hat auch eine fett- und zuckerreiche Ernährung. Die führt auf direktem Wege zu einer geschädigten Darmflora und zwar auf zwei Arten:

  • Schädliche Bakterien gedeihen bei erhöhter Zucker- und Fettzufuhr, machen sich breit und verdrängen die nützlichen Bakterienstämme.
  • Die Darmschleimhaut verliert an Dicke, wodurch die Darmbarriere durchlässiger wird.

Es treten dieselben Effekte wie bei Stress ein: Schadstoffe und Keime können die Darmbarriere passieren und entzündliche Prozesse sowie Infektionen sind die Folge.

Genauso wie Deine Ernährung Deinen Darmbakterien schaden kann, hat sie auch das Potenzial, Deine Darmflora zu sanieren. Folgende Tipps solltest Du dafür beachten.

Wege und Mittel für den Aufbau der Darmflora

Den größten direkten Einfluss auf Deine Darmflora hast Du durch die Lebensmittel, die Du Deiner Verdauung zuführst. Der Spruch "Du bist, was Du isst" kommt nicht von ungefähr. Deine Darmflora zu verbessern, muss also nicht schwierig sein. Folgende Dinge solltest Du dabei beachten.

Bio-Lebensmittel frisch zubereitet

Welches Essen ist gut für die Darmflora

Die Basis Deiner Ernährung sollten frisch zubereitete Bio-Lebensmittel sein. Hinsichtlich Deiner Darmflora hat das folgende Gründe:

Pestizide, insbesondere Glyphosat, töten verschiedene Darmbakterien und begünstigen dadurch die Ausbreitung schädlicher Bakterienstämme. Glyphosat wird in Deutschland auf mindestens 40% aller konventionell behandelten Ackerflächen eingesetzt, unter anderem beim Anbau von Getreide, Raps, Kartoffeln und Hülsenfrüchten. Das Risiko, Glyphosat beim Kauf konventionell angebauter Lebensmittel mit auf den Teller zu bekommen, ist also entsprechend hoch.

Hinzu kommt, dass Pestizide teilweise Nährstoffe binden, die dadurch für Deinen Körper nicht mehr zugänglich sind.

Der Gehalt an Pestiziden bei Bio-Lebensmitteln ist deutlich geringer als bei konventionell angebauten. Deshalb ist der Griff zu Bio-Lebensmitteln die bessere Wahl für Deine Darmflora.

Frisches Gemüse und Obst, das Du selbst zubereitest, beinhaltet keine Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel oder künstliche Geschmacksverstärker. Die wirken sich nämlich schädigend auf die Darmschleimhaut und damit auf die schützende Darmbarriere aus. Tu Dir etwas Gutes, koche frisch und halte Dich von Fertigprodukten fern. Wenn Du dann noch Gewürze wie Kurkuma und Ingwer verwendest, dankt Dir Deine Darmgesundheit ganz besonders.

Ballaststoffe

Eine ausreichende Versorgung mit Ballaststoffen in Deiner Ernährung – mindestens 30 Gramm pro Tag – ist der Treibstoff für die Vorgänge in Deiner Darmflora.

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Ballaststoffe sind für den Dünndarm unverdaulich, landen also fast komplett im Dickdarm. Dort dienen sie unter anderem den Bakterien Deiner Darmflora als Nahrung. Beim Abbau entstehen bestimmte Fettsäuren, die Deine Darmschleimhaut aufbauen, die Darmbarriere stärken und Entzündungen hemmen.

Du findest Ballaststoffe vor allem in folgenden Produkten:

  • Vollkornmehl
  • Vollkornreis
  • Getreideflocken
  • Trockenfrüchte

aber auch in vielen Gemüsesorten und Beeren.

Am besten funktioniert die Umstellung auf eine Ernährung mit mehr Ballaststoffen, indem Du einfach ballaststoffarme Produkte (zum Beispiel Weißbrot) durch ballaststoffreiche Produkte (zum Beispiel Vollkornbrot) austauschst.

Ballaststoffe sind außerdem nützlich, da sie die sogenannte Peristaltik antreiben. Das sind die rhythmischen Muskelbewegungen Deines Darms, mittels derer er den Nahrungsbrei Richtung Ausgang bewegt. Mit einer regen Peristaltik vermeidest Du Verstopfung und Bauchschmerzen. Wichtig dafür ist allerdings, dass Du ausreichend Flüssigkeit zu Dir nimmst, am besten Wasser und ungesüßte Tees.

Probiotika

Vielleicht hast Du im Ladenregal schon einmal Lebensmittel gesehen, die damit werben, "probiotisch" zu sein. Angeblich stärken sie die Darmflora auf natürliche Weise. Was steckt dahinter?

Probiotika (aus dem Griechischen "pro" - "für" und "bios" - "Leben", also das Gegenteil von Antibiotika) sind Mikroorganismen, vor allem Bakterien und Hefen, die Deine Gesundheit unterstützen sollen.

In künstlich angereicherten Produkten werden meistens die Bakterienstämme Lactobacillus und Bifidobakterien verwendet. Diese sind auch durch Studien untersucht worden und haben sich in ersten Tests als förderlich für die Darmgesundheit herausgestellt.

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Es gibt aber auch Lebensmittel, in denen Lactobazillen natürlich vorkommen. Hierzu gehören:

  • Sauerkraut
  • Eingelegte rote Beete
  • Saure Gurken
  • Dickmilch
  • Joghurt
  • Kefir

Indem Dir Probiotika direkt nützliche Bakterien zuführen, helfen sie Dir zum Beispiel beim Wiederaufbau einer durch Antibiotika geschädigten Darmflora, bei Durchfall oder verschiedenen Virusinfektionen. Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, dem Reizdarmsyndrom und sogar Allergien zeigten sich Probiotika wirksam.

Probiotika können allerdings nur dann wirken, wenn sie auch tatsächlich lebend im Darm ankommen. Die meisten Bakterien schaffen es nämlich nicht durch die aggressive Magensäure und anschließend durch die Gallensäure im Dünndarm.

Wenn Du also von Probiotika profitieren willst, musst Du eine ausreichend hohe Anzahl an Bakterien zu Dir nehmen. Im Schnitt sind das 100.000.000 pro Gramm Lebensmittel. Da sich probiotische Bakterienstämme nicht dauerhaft im Darm niederlassen, sondern eher Helfer auf der Durchreise sind, solltest Du sie außerdem regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg einnehmen.

Präbiotika

Nicht zu verwechseln mit Probiotika sind die sogenannten Präbiotika. Sie sind, wie auch Ballaststoffe, für den Dünndarm nicht verdaulich, enden also im Dickdarm. Zu den Präbiotika gehören zum Beispiel Inulin, Oligofructose und Fructan.

Es scheiden sich die Geister, inwiefern Präbiotika anders wirken als Ballaststoffe. Beide dienen Bakterien in Deiner Darmflora als Nahrung, wobei Präbiotika insbesondere von probiotischen Bakterienstämmen abgebaut werden.

Durch diese Unterstützungsleistung der Probiotika sind Präbiotika gut für Deine Darmflora – sie rechtfertigen allerdings nicht den tiefen Griff in den Geldbeutel. Besser als künstlich angereicherte Lebensmittel sind immer solche, die einen Stoff natürlicherweise in sich tragen. Natürliche Quellen von Präbiotika sind zum Beispiel:

  • Chicorée
  • Lauch
  • Artischocken
  • Zwiebeln
  • Weizen
  • Roggen
  • Bananen

Synbiotika

Unter den sogenannten Synbiotika (teilweise fälschlich auch als "Symbiotika" bezeichnet) versteht man eine Kombination aus Probiotika und Präbiotika. Da die Präbiotika wie erwähnt die Probiotika unterstützen, kommt es hier zu Synergieeffekten, daher der Name Synbiotika.

pH-Wert

Je nach Darmabschnitt benötigen die dort lebenden Bakterien einen bestimmten sogenannten pH-Wert. Dieser gibt auf einer Skala von 0 bis 14 das Säure-Basen-Verhältnis einer Umgebung an. Je kleiner der Wert, desto saurer das Milieu.

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Der pH-Wert im gesunden Darm liegt zwischen 5,5 und 6,8, ist also leicht sauer. Wird das Darmmilieu zu basisch, begünstigt das die Ausbreitung schädlicher Bakterien. Bei einem zu sauren pH-Wert hingegen können die Bakterien Ballaststoffe schlechter verarbeiten. Gärungs- und sogar Fäulnisprozesse sind die Folge.

Wie aber kannst Du den pH-Wert in Deinem Darm beeinflussen?

Praktischerweise durch genau die Dinge, die auch sonst schon auf der Positivliste stehen, nämlich Ballaststoffe und Präbiotika. Sie ernähren die nützlichen Bakterien, die auch für den richtigen pH-Wert in Deinem Darm verantwortlich sind und sich sozusagen ihr Lieblingsklima selbst schaffen.

Kann Deinem Darm helfen, muss es aber nicht

Rund um die Themen Darmflora sanieren und Darmbakterien aufbauen gibt es auch viele Ansätze und Maßnahmen, deren Nutzen wissenschaftlich (noch) nicht belegt sind oder die teilweise sogar mit Vorsicht zu genießen sind. So zum Beispiel Darmspülungen.

Vorsicht bei Darmspülung

Vielleicht hat Dir schon mal jemand von einer Darmreinigung oder Darmspülung berichtet. Mittels Einläufen mit warmem Wasser sollen Ablagerungen und Giftstoffe aus dem Darm gespült werden. Es handelt sich dabei um ein naturheilkundliches Verfahren, das auch in der Ayurveda, der indischen Gesundheitslehre, angewandt wird.

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Eine Darmspülung kann zwar ein erleichterndes und reinigendes Gefühl auslösen, aber es ist auch Vorsicht geboten, da das empfindliche Zusammenspiel der verschiedenen Bakterienstämme Deiner Darmflora dadurch gestört wird. Insbesondere wenn bereits Probleme mit der Darmflora vorliegen, solltest Du eine geplante Darmspülung unbedingt mit Deinem Arzt abklären.

Besonders die sogenannte Colon-Hydro-Therapie, die einen speziellen Apparat zur Darmreinigung verwendet, kann bei falscher Handhabung Verletzungen der Darmwand verursachen.

Darmspülungen sollten also die Ausnahme bleiben und bestenfalls nur vorgenommen werden, wenn sie medizinisch notwendig sind (zum Beispiel bei der Darmkrebsvorsorge). Allerdings werden sie auch bei sogenannten Darmsanierungen angewandt. Was ist darunter zu verstehen?

Was ist eine Darmsanierung / Darmkur?

Eine Darmsanierung oder Darmkur klingt für all jene verlockend, die unter Problemen mit der Darmflora leiden. Sie besteht grundsätzlich aus drei Phasen:

  1. Darmreinigung und Abführung der "alten" Darmflora
  2. Grundsteinlegung für die "neue" Darmflora
  3. Wiederaufbau

Das ist, als könntest Du den Reset-Button drücken, die Darmflora, die Dir Probleme bereitet, loswerden und Dir eine neue zulegen. Ganz so einfach ist es aber leider nicht.

Eine komplette Darmsanierung kommt mit allerlei Problemen daher. Zum Beispiel ist es so gut wie unmöglich, Deinen Darm komplett von Bakterien zu befreien. Ein Teil Deiner "alten" Darmflora bleibt also immer bestehen – und Du hast nur wenig Einfluss darauf, welcher Teil das ist.

Es ist also nicht auszuschließen, dass der Wiederaufbau nicht wie gewünscht verläuft und sich stattdessen schädliche Bakterien in dem frei gewordenen Raum einnisten. Dieses Risiko besteht auch deshalb, weil es gut zwei bis vier Monate dauern kann, bis sich Deine Darmbakterien wieder erholt haben. In dieser Zeit kann viel passieren.

Der Wiederaufbau der Darmflora soll vor allem mittels der bereits oben erwähnten positiven Einflüsse geschehen: Eine gesunde Ernährungsweise mit wenig Fett und Zucker, Probiotika, Präbiotika und Ballaststoffen. Außerdem soll auf Kaffee, Nikotin und Fleisch verzichtet werden.

Was bei der Darmkur außer Acht gelassen wird ist, dass sich Deine Darmflora sowieso ständig wandelt, je nachdem welches Essen Du ihr zur Verfügung stellst. Auch wenn es verlockend erscheinen mag, alles "Alte" loszuwerden, so ist das nicht nur unmöglich, sondern auch unnötig.

Bei einer Umstellung auf eine gesunde Ernährung mit den genannten Bestandteilen stellt sich auch Deine Darmflora um. Die positiven Effekte, von denen Anhänger von Darmkuren berichten, stammen daher aller Wahrscheinlichkeit nach von der Ernährungsumstellung und nicht von der eigentlichen Darmsanierung.

Homöopathische Mittel

Egal ob Schüßler-Salze oder Globuli, in der Homöopathie findest Du Mittel für jegliche Leiden und Erkrankungen, natürlich auch für den Darmaufbau.

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Typisch für homöopathische Mittel ist, dass der eigentliche Wirkstoff nur in extrem geringen Konzentrationen enthalten ist. In der Homöopathie nennt sich dieses Verdünnen "Potenzieren". Bei vielen Schüßler-Salzen liegt zum Beispiel eine Potenzierung von D6 vor, das bedeutet, dass ein Tropfen auf 50 Liter Verdünnungsmittel trifft.

Man findet aber auch homöopathische Mittel mit einer derart großen Verdünnung, dass ein Molekül Wirkstoff auf eine Wasserkugel mit einem Durchmesser von 150 Millionen Kilometern treffen würde. Im Klartext heißt das: Die Chance, dass tatsächlich Wirkstoff enthalten ist, ist verschwindend gering.

Das spielt aber nach homöopathischem Glauben gar keine Rolle. Hier geht es weniger um den tatsächlichen Wirkstoff und mehr um "Information", die von der weniger verdünnten Mischung an die nächste Verdünnungsstufe weitergegeben wird.

Forschung und Schulmedizin sind damit beschäftigt, zu ergründen, warum homöopathische Mittel bei so vielen Menschen gute Ergebnisse zeigen. Eine gängige Erklärung für die Wirksamkeit ist der Placebo-Effekt und die durch ihn ausgelösten Selbstheilungskräfte unseres Körpers.

Wenn Du mehr zu Selbstheilungskräften und Placebo-Effekt erfahren möchtest, empfehlen wir Dir unseren Artikel zur "Psychosomatik".

Darmflora Aufbau leicht gemacht mit dem nötigen Körpergefühl

Egal, ob sie durch Selbstheilungskräfte oder Ernährungsumstellung angeregt werden – die Billionen Bakterien Deiner Darmflora werden es Dir danken, wenn Du ein paar der hier genannten Tipps wortwörtlich verinnerlichst.

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Deine Darmflora kann Dir enorm viel über Dich und Deinen Körper berichten und das bereits von Geburt an. Sie übernimmt lebenswichtige Aufgaben, wie die Gewinnung von Energie, Vitaminen und Mineralstoffen, sie schützt Deinen Darm von innen heraus und beherbergt den größten Teil Deines Immunsystems.

Nicht zuletzt aufgrund der vielen Tätigkeiten der Darmbakterien, hat eine gestörte Darmflora enorme negative Auswirkungen. Von Verdauungsproblemen und Vitaminmangel bis hin zu Autoimmunkrankheiten und Depressionen können Erkrankungen oft auf Vorgänge in Deinem Darm zurückgeführt werden. Bei einer solchen Vielzahl an Symptomen kommt einem der Darm als Auslöser oftmals nicht auf Anhieb in den Sinn.

Umso wichtiger ist es, dass Du Deine Darmflora gesund hältst. Dinge wie Stress, Antibiotika, Abführmittel und eine zucker- und fettreiche Ernährung sind wortwörtlich Gift für Deine Darmbakterien und daher beim Darmbakterien-Aufbau hinderlich.

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Mit Hilfe von Ballaststoffen und einem leicht sauren pH-Wert hingegen kannst Du Deine Darmbakterien aufbauen. Probiotika, Präbiotika und die Kombination aus beiden (Synbiotika) können Dir dabei helfen, die richtigen Bakterien in Deinem Darm anzusiedeln, insbesondere wenn sie durch Medikamente zuvor Schaden genommen haben.

Ob Du homöopathische Mittel verwenden möchtest, ist wohl eine Glaubensfrage. Darmspülungen hingegen, auch in Verbindung mit einer Darmkur, sind immer mit Vorsicht zu genießen, da sie das empfindliche Gleichgewicht Deiner Darmflora stören und ein bestehendes Ungleichgewicht sogar noch verschlimmern können.

Ein wenig Hintergrundwissen, das wir Dir hoffentlich mit diesem Artikel vermitteln konnten, zusammen mit einer abwechslungsreichen und insbesondere naturbelassenen Ernährung und einem Gespür für Deine Körpermitte – das ist alles, was Du für den Darmfloraaufbau brauchst. Dann steht nichts zwischen Dir und einer gesunden, ausgeglichenen Darmflora voll zufriedener und hilfreicher Bakterien.

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  2. Seiderer-Nack, J. (2014): Was passiert im Darm? Neues Wissen für mehr Darmgesundheit – Darmbarriere, Bauchhirn, Immunsystem und die richtige Ernährung. Südwest Verlag, München.
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